Aus dem Statement von Cordula Geiger bei der Vernissage
der Fotoausstellung im Herbst 2016.

Wie es zur Ausstellung kam

"Im Rahmen der Vorbereitungen zum 10 Jährigen Jubiläum der Demenzbetreuungsgruppe Tettnang, ist die Idee entstanden das Thema Demenz mit Fotografien darzustellen und damit auch zu würdigen. Zusammen mit der Fotografin Christa Thoma aus Friedrichshafen haben wir uns mit vielen Ideen auf den Weg gemacht. Als wir auf die Suche gingen und betroffene Menschen und ihre Angehörigen fragten, mussten wir jedoch feststellen, dass das Unternehmen alles andere als einfach ist. Die Krankheit Demenz ist eine Krankheit, die nach wie vor mit großen Schamgefühlen besetzt ist. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist es verständlicherweise nicht einfach, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Obwohl oder vielleicht gerade deshalb, dass die Krankheit jedem inzwischen bekannt ist und jeden von uns treffen könnte, löst es Angst und Abwehr aus. Es gehört immer noch ganz viel Mut, Kraft und innere Stärke dazu, sich als Betroffener oder als Angehöriger zu outen.

Wir haben gespürt, dass es mehr ist, als nur ein paar Fotos zu machen. Wir mussten uns und den Anderen mehr Zeit lassen. So sind wir mit den betroffenen Menschen und ihren Angehörigen ins Gespräch gegangen und konnten ihnen dadurch ein wenig die Angst nehmen und sie für diesen Schritt motivieren. So sind es ganz persönliche und authentische Bilder geworden.

Deshalb möchten wir uns ganz herzlich bei allen bedanken, die sich auf unser Fotoprojekt eingelassen haben und bereit waren mitzumachen. Alle Beteiligten tragen damit einen großen Teil dazu bei, das Thema Demenz zu zeigen und die Krankheit zu sehen, die starke Veränderungen und Herausforderungen mit sich bringt und die von uns allen Schutz , Verständnis, Hilfsbereitschaft und Liebe für die Betroffenen und ihre Angehörigen braucht. Je mehr wir darüber wissen und wir Erfahrungen weitergeben, desto leichter wird es für die Betroffene und ihr Umfeld. Es sollte in unserer heutigen Zeit niemand das Gefühl haben, sich für diese Krankheit entschuldigen oder sich gar verstecken zu müssen.

Zum Titel der Ausstellung

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz, die Bilderauswahl, die mit der Zeit entstanden ist, und die Erfahrungen, die wir bei den Fototerminen mit den Menschen machen durften, haben uns zum Titel der Ausstellung geführt. Es ist eine bekannte Stelle aus dem Alttestamentlichen Buch Ruth "Wo du gehst, da will auch ich hingehen".

Wir haben Menschen mit Demenz in unterschiedlichen Stadien ihrer Krankheit fotografiert, in den noch aktiven und mobilen Zeiten bis hin zu der Phase, wo die Welt sehr klein wird und immer mehr an Farbe verliert.

Ein an Demenz erkrankter Mensch kann dieses Weniger werden allmählich verkraften und trotzdem Lebensqualität spüren, wenn er Menschen an seiner Seite hat, die mit ihm diesen langen Weg gehen und ihm Schritt für Schritt das geben können, was er bis zuletzt braucht: nämlich Menschen, die ihn begleiten auch auf dem Weg ins Ungewisse bis hin ins Dunkle. Wir können ihnen Sonnenstrahlen und damit Wärme und Farben in ihre immer grauer werdende Welt bringen.

Wir alle sind herausgefordert, die guten Momente und Zeiten zu genießen, um dann in schweren Zeiten aus der Schale der gemeinsam erlebten Erinnerungen schöpfen zu können.

Dazu haben wir Gedichte von Herbert Bell, ein Schriftsteller aus Vorarlberg, gefunden. Er begleitete und pflegte seine an Demenz erkrankte Ehefrau über lange Jahre und hat auch aus dieser Erfahrung heraus Gedichte geschrieben. Seine einfühlsamen und liebevollen Worte haben uns sehr berührt."

Cordula Geiger